Forschung - 25.01.2024 - 07:50 

Studie untersucht die Kosteneffizienz von Zahlungsmitteln in der Schweiz

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten der vor-Ort-Zahlungen in der Schweiz sind beträchtlich, zeigt eine Studie des Center for Financial Services Innovation der Universität St.Gallen (HSG). Gemäss der Datenauswertung der HSG verursachen Bargeldzahlungen für die Gesellschaft die höchsten Kosten, gefolgt von Kreditkarten und Debitkarten.
Quelle: HSG Newsroom

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten der vor-Ort-Zahlungen in der Schweiz mit Bargeld sowie Kredit- und Debitkarten beliefen sich im Jahr 2022 auf rund 7.3 Milliarden CHF. Das entspricht 0,95% des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP). Bargeldzahlungen verursachen mit 5.2 Milliarden CHF die höchsten gesamtwirtschaftlichen Kosten, gefolgt von Kreditkarten (1.1 Milliarden CHF) und Debitkarten (1.0 Milliarden CHF). 

Bedeutung der Privat- und Ressourcenkosten 

«Ein zentrales Element der Auswertung ist die Unterscheidung zwischen Privat- und Ressourcenkosten der Zahlungsmittel», erklärt Dr. Tobias Trütsch, Studienleiter und Geschäftsführer des Center for Financial Services Innovation an der HSG. Die Privatkosten repräsentieren die Gesamtkosten, die ein einzelner Stakeholder trägt, wie etwa Händler, Finanzinstitute oder Konsumentinnen und Konsumenten. Die Ressourcenkosten hingegen reflektieren Aufwände in Form von internen Prozessen. Sie resultieren aus den Privatkosten abzüglich der Gebührentransfers zwischen den untersuchten Stakeholdern. Die Ressourcenkosten umfassen unter anderem Zeitkosten für das Bezahlen, das Abheben und Zählen von Bargeld sowie Kapital- und Technologiekosten. 
Sie sind entscheidend, um die Kosteneffizienz der Zahlungsmittel aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive zu bewerten. 

Kosten der Zahlungsmittel sind unter den Stakeholdern ungleich verteilt

Die Kosten der Zahlungsmittel variieren je nach Stakeholder stark. Der Handel trägt mit 0,60% des BIPs aufgrund der Transaktionsgebühren den grössten Anteil der privaten Kosten, während der Finanzsektor mit 0,53% des BIPs den grössten Anteil der Ressourcenkosten trägt. Dahinter folgen die Konsumenten mit Kosten in Höhe von 0,35% (Privatkosten) und 0,1% (Ressourcenkosten). Die Kosten für die Schweizerische Nationalbank (SNB) sind mit rund 0,03% des BIPs minimal.

Debitkartenzahlungen sind am billigsten

Im Durchschnitt stellen Debitkartenzahlungen die kostengünstigste Option dar, sowohl im Hinblick auf die Ressourcenkosten pro Transaktion (0.70 CHF) als auch in Bezug auf den prozentualen Anteil der Ressourcenkosten am getätigten Umsatz (1,6%). Bargeldzahlungen hingegen verursachen die höchsten Ressourcenkosten pro Transaktion (3.72 CHF) und bezogen auf den Umsatzanteil (14,6%). Kreditkartenzahlungen weisen Ressourcenkosten von durchschnittlich 3.21 CHF pro Transaktion und einen prozentualen Anteil von 5,2% am getätigten Umsatz auf.

Sofern die zugrunde liegende Zahlungsinfrastruktur bereits vorhanden ist, zeigt sich Bargeld gemäss der Untersuchung unabhängig des Transaktionswerts als das teuerste Zahlungsmittel, gefolgt von der Kredit- und Debitkarte. Beispielsweise kostet eine Bargeldzahlung in der Höhe von 20 CHF die Gesellschaft 2.10 CHF, während Kredit- und Debitkartenzahlungen Kosten im Umfang von 0.80 CHF und 0.50 CHF verursachen. 

Umfassende Analyse durch detaillierte Datenerhebung

Die Studie basiert auf einer umfangreichen Datengrundlage, welche durch detaillierte Umfragen bei Finanzinstituten, Infrastrukturanbietern und Händlern in der Schweiz erhoben wurde. Ergänzend wurden erstmalig Zeitmessungen von Zahlungen an Schweizer Verkaufspunkten durchgeführt. Die Resultate sind vergleichbar mit anderen internationalen Studien. Die Studie liefert erstmals umfassende Hinweise für die gesamtwirtschaftliche Effizienzsteigerung des schweizerischen Zahlungsverkehrs.  

Bild: Adobe Stock / makasana photo

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